BAUER HÄLT AUCH FÜR SIE HOF

Wie funktioniert Landwirtschaft heute? Wie wird die tägliche Arbeit eines Bauern von der bevorstehenden EU-Agrarreform beeinflusst?

Mit Hofführungen und anschließenden Gesprächen möchten wir interessierte Menschen über die aktuelle Lage informieren. Wenn Sie wünschen, versorgen wir Sie im Anschluss an die Führung gerne mit Süßem oder Herzhaftem im Weidenhof Q.

Gerne können Sie für eine Gruppe individuelle Hofführungen buchen. Für Kindergartengruppen und Schulklassen aller Jahrgangsstufen bieten wir die Führungen zu einem Sondertarif an, weil es uns ein besonderes Anliegen ist, junge Menschen an die Landwirtschaft heranzuführen.

Kosten pro Führung:
€ 50,00 pro Gruppe
Für Kindergärten und Schulklassen auf Anfrage

DIESE THEMEN WERDEN BEI DER HOFFÜHRUNG ANGESPROCHEN:

Bei einem Rundgang über den Hof machen wir uns die Kreisläufe des Betriebes bewusst. Von der Wiese über die Heutrocknung, von den Kühen bis zur Milch. Wir werfen natürlich auch einen Blick in die Ställe – das Zuhause der Tiere.
Alle unsere Haustiere stammen von Wildtieren ab. Durch gezielte Züchtung unterscheiden sie sich sehr deutlich von den ehemaligen Wildformen. Viele Anforderungen an die Gestaltung des Lebensraumes, an die Nahrung und an die Sozialkontakte sind aber gleich geblieben. In der Führung werden unterschiedliche Ansprüche der einzelnen Tiere an ihren Lebensraum sowie die von uns gewählte Haltung dargestellt.
Die Frage “Woher kommt mein Essen?” bewegt immer mehr Menschen. Steigende Bevölkerungszahlen, die Hungerbekämpfung, die Sicherung der Energievergorung sowie die Eindämmung aktueller Umwelt- und Klimaschäden sind unmittelbar an die Art und Weise der Lebensmittelerzeugung gekoppelt.
Klar ist: ein Weiter wie bisher ist keine Option!
Die Politik muss die Weichen für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion stellen, weg von industrialisierten, globalen Strukturen hin zu einer regionaleren, vielseitigen und vor allem bäuerlich und ökologischer geprägten Landwirtschaft. Dies beinhaltet auch mehr Transparenz in Produktionsbedingungen oder Herkunft von Futtermitteln.
So entscheidet sich bereits an der Ladentheke, welche Art der Landwirtschaft mit dem täglichen Einkauf gefördert wird.

HOFINFORMATION

Gesamte Nutzfläche: 205 ha, davon Grünland: 130 ha

Auf den Ackerflächen wird Grünroggen, Mais und Getreide angebaut. Daraus stellen wir Silage her: Die angetrockneten Pflanzenteile werden luftdicht verpackt und vergären wie Sauerkraut im Krautfass zu einer wohlschmeckenden Silage, die sehr lange haltbar ist. Wir nutzen diese Pflanzen sowohl für die Tiere, als auch für die Biogasanlage.

Unser Grünland liegt entweder im Tal, also im Brachttal, im Kinzigtal oder an sehr steilen Hängen, wo wir keine Ackernutzung betreiben können. Nur über unsere Rinder ist eine sinnvolle und wirtschaftliche Nutzung dieses Grünlandes möglich, weshalb wir auch in unserer Region nicht auf die Rinderhaltung verzichten können. Wir liegen mit verschiedenen Flächen in Naturschutz- Landschaft- und Wasserschutzgebieten und haben vielfältige Bewirtschaftungsrichtlinien zu beachten.

Durch die intensive Nutzung und den Ausbau der landwirtschaftlichen Wege als Rad- und Wanderwege – in Richtung Brachttal geht der Südbahnradweg direkt am Weidenhof Q Biergarten vorbei und im Kinzigtal verläuft der R3 Radweg – ist ein rücksichtsvoller Umgang miteinander unerlässlich. Es führt aber auch zu Beeinträchtigungen im Arbeitsablauf, weil wir häufig auch an Feiertagen oder Sonntagen unsere Ernte einbringen müssen, um hochwertige Futtermittel für qualitativ gute Lebensmittel zu erzeugen.
So erwachsen in der sich wandelnden Gesellschaft ständig neue Anforderungen an die Landwirtschaft.

Milchviehbetrieb mit langer Tradition
seit 1996 Vorzugsmilchbetrieb mit hofeigener Molkerei
Tiere: etwa 140 schwarz-bunte Milchkühe plus Jungvieh
Futter: Die Tiere laufen frei in der Herde und werden mit Gras, Mais und Getreide aus eigenem Anbau gefüttert, ergänzt durch Rapsschrot, Mineralfutter und Körnermais. Wir erzeugen unsere Milch ausschließlich mit gentechnikfreien Futtermitteln.
Milchleistung: 10.000 l Milch/Jahr, Fettgehalt 4%, Eiweißgehalt 3,4%

Aus Mist wird Strom
Dass eine Kuh 9500 Liter Milch im Jahr produzieren kann, dürfte auch einem Nichtlandwirt glaubhaft erscheinen. Dass eben jene Kuh außerdem noch rund 10 Kilowattstunden elektrische Leistung erzeugen kann, mag dann doch erstaunlich klingen. Wir auf dem Weidenhof beziehen unseren Strom ohne Ausnahme von unserem Vieh, genauer gesagt von unserer Biogasanlage.

Bringt Geld – spart Geld
Im September 2009 wurde der dritte Motor installiert. Nun produziert unsere Biogasanlage 470 KW Stromleistung pro Stunde. Etwa 10% davon beträgt der Eigenbedarf für Haushalt, Joghurtproduktion und Molkerei, die restlichen 90% werden – selbstverständlich vergütet – ins Netz der Kreiswerke Gelnhausen eingespeist und von deren Kunden genutzt. Die eingespeiste Strommenge entspricht dem Stromverbrauch von 1000 Haushalten im Jahr.
Mit der entstehenden Wärme heizen wir nicht nur Haus, Melkstand, Hofladen und Weidenhof Q, sondern die gesamte Milchpasteurisierung. Das Spülen der Flaschen und die Warmwasserbereitung für unsere Tiere und die Molkerei wird mit eigener Wärme erzeugt.

Positive Umweltbilanz
Die Umweltvorteile liegen auf der Hand: 1. Durch die Lagerung im geschlossenen Behälter wird der Methanverlust deutlich reduziert und der Stickstoff in der Gülle durch die Vergärung in eine pflanzenverfügbare Form gebracht. 2. Die Auswaschung von Nitrat wird reduziert. 3. Der Gärrückstand ist ein hochwertiger, stickstoffhaltiger Dünger, der kaum Geruch verursacht. 4. Mit diesem Dünger wird auf den Feldern Futter für die Rinder erzeugt. Der Kreislauf ist geschlossen.

Was ist Biogas?
Biogas (Sumpfgas, Faulgas) ist ein Gasgemisch, das durch den luftabgeschlossenen, mikrobakteriellen Abbau von organischen Substanzen entsteht. Es besteht aus:
50-70 % Methan, 30-40 % Kohlendioxid sowie Spuren von
Schwefelwasserstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Kohlenmonoxid.

Um hochwertiges Fleisch produzieren zu können, ist neben dem richtigen Futter eine tiergerechte Haltung von Nöten. Für die Haltung von Nutztieren gelten in allen EU-Mitgliedsstaaten strenge Vorschriften.Da Rinder ausgesprochen sozial lebende Tiere sind, die den ständigen Kontakt zu ihren Artgenossen suchen, leben die Tiere bei uns auf dem Weidenhof in Gruppenhaltung in gut belüfteten Ställen auf Stroh und mit viel Tageslicht. Die Einstreu bietet ihnen eine komfortable, trittsichere Liegefläche. Sie können sich in den Ställen frei bewegen und ihre arteigenen Verhaltensweisen ausleben. Scheuermöglichkeiten und Bürsten steigern das Wohlbefinden der Tiere.

Seit 2007 wird in der gesamten Fütterung kein Sojaschrot mehr eingesetzt. Wir füttern garantiert gentechnikfrei. Als Eiweißfutter dienen Rapsschrot und Getreideprodukte. Die Kälber erhalten 3 Monate lang Vollmilch von den Kühen des Hofes. Sie werden in Gruppen auf Tiefstreu gehalten. Trocken stehende Kühe und hochtragende Rinder bekommen in den Sommermonaten täglich Weidegang.